Auf der Suche nach Klarheit

Der Verlust von Klarheit ist ein schleichender Prozess. Einen, den die Unternehmensführung oft nur verzögert wahrnimmt. Oder gar nicht. Dabei verlieren Unternehmen und Führung wichtige unternehmerische Ziele aus den Augen: die Kernzielgruppe wird zu gross, differenzierende Leistungen sind unklar, langfristige Ziele werden diffus und die Erkenntnis, dass wichtiges Wissen und Skills fehlen wird verdrängt.

Der Verlust von Klarheit ist ein schleichender Prozess.

Der vermeintlich richtige Weg aus der soeben entstandenen Krise ist der Griff zur Arznei. Meist immer wieder, weil sich Erfolg nicht einstellt. Die schmerzhafte Erkenntnis kommt in der Regel zu spät: Der Weg zur Klarheit ist schmerzhaft und ausserhalb der Komfortzone. Es geht dabei um Aufrichtigkeit, Loslassen und Fokussierung.

1. Wie zeigt sich Klarheit im Business Kontext?

Kennen Sie dieses Gefühl, wenn Unternehmen am Ende einer langen Durststrecke erfolgreich sind und diese Erleichterung im ganzen Unternehmen Kraft und unbändige Energie frei setzt? Der gewonnene Auftrag, das erfolgreich eingeführte Produkt oder die eingeführte Softwarelösung. Sie alle schaffen Energie und Zuversicht für die nächste Herausforderung oder zur Multiplikation des soeben erfolgreich Implementierten. Und im Team herrscht Klarheit darüber, wie dies angegangen wird.

Doch nicht immer läuft es so. Viele sehen sich mit schwer fassbaren Herausforderungen konfrontiert. Unfähig, diese in eine Chance umzuwandeln. Der Grund dafür liegt aber meist schon etwas länger zurück.

2. Wie geraten Unternehmen in eine Situation der Unklarheit?

Prozesse, die einer Situation der Unklarheit enden, schleichen an unserem Tagesgeschäft vorbei und entwickeln sich langsam. Zwei typische Situationen in denen ich Unternehmen oft antreffe sind folgende:

  1. Der finanzielle Druck beginnt das Unternehmen zu dominieren. Anfangs schleichend, im mittelfristigen Ausblick ist der Druck aber jetzt konkret. Und es ist nicht klar, wie diesem Prozess Einhalt geboten werden kann, damit das Unternehmen konstant Geld verdienen kann. Bestenfalls werden einige kleine Initiativen gestartet. Rückblickend spricht man von Aktionismus. Doch je länger man um das Feuer tanzt, desto höher werden die Flammen. In unserem Beispiel ist Cashmangel die Folge. Zum Glück können Kosten zügig eingespart und zusätzliche liquide Mittel extern beschafft werden. Doch diese Mittel überbrücken nur die aktuelle Situation und sind keine langfristige Lösung. So zeigt sich dann leider zu spät, dass die ersten aussichtsreichen Aktivitäten und Angebote nicht den erwarteten Umsatz generiert haben. Und auch nicht nachhaltig wirken. Das generiert Frust bei allen Verantwortlichen und Beteiligten. Und dieser weicht irgendwann dem Gefühl der Verunsicherung, das zu einem Mangel an Leidenschaft und Energie führt.
  2. Im zweiten Beispiel geht es um eine häufige Erscheinung im digitalen Zeitalter: die schlechte bis nicht vorhandene Interaktion mit der Zielgruppe. Auf der Suche nach Kosten- oder idealerweise Wettbewerbsvorteilen digitalisieren Unternehmen ihre Prozesse. Viele interagieren nicht mehr mit Menschen und wenn, dann nicht im direkten Dialog. Innovative Anbieter, Social Media Plattformen und künstliche Intelligenz verführen uns zu einer einfacheren und vermeintlich effizienteren Vorgehensweise. Anstelle von Dialog treten Content und Automatismen, die attraktiv aufgearbeitet in Posts, Funnels und In-Mails Kontakte und Leads genieren soll. Und selbst wenn es funktioniert, entfernen wir uns Schritt für Schritt von der zwischenmenschlichen Interaktion, dem Dialog mit unseren bestehenden und zukünftigen Kunden. Wir senden, empfangen aber kaum. Und mit dem Ziel, immer bessere Resultate zu generieren, drücken wir noch mehr aufs Gas. Wir senden und empfangen nicht. Die Aktivitäten nehmen zu, verlieren an Fokus und die Zielgruppe wird grösser und diffuser. In den seltensten Fällen gelingt der Fokus auf eine gut strukturierte Kern-Zielgruppe, für die die Vermarktung des Produkts relevant oder. Es mangelt an Umsetzungsstrategien, die das Unternehmen noch stärker differenzieren.

3. Aufrichtig das Problem erkennen

In beiden geschilderten Fällen verlieren die Unternehmen ihren Fokus. Sie erkennen das wahre Problem nicht mehr und verlieren dadurch die Fähigkeit, das Notwendige zu tun. Sie haben keine Klarheit darüber, wie sie das System in die richtige Richtung bewegen können, um die Resultate zu generieren, die sie anstreben. Man könnte auch sagen:

Es fehlt Klarheit über den richtigen Weg zum Ziel.

Deshalb müssen sich diese Unternehmen mit folgenden Fragestellungen aufrichtig auseinandersetzen.

  • Wissen wir wirklich, wo wir hin wollen?

  • Und wissen das alle im Unternehmen?

  • Haben wir das Wissen, um die aktuelle Situation ehrlich zu beurteilen und zu erkennen, was wir tatsächlich tun müssen?

4. Warum Klarheit für Sie und Ihr Unternehmen so wichtig ist

Indem Sie klare Ziele teilen, schaffen Sie Klarheit. Klarheit reduziert Konflikte und verbessert die Effizienz im eigenen Unternehmen. Aber sie wirkt auch nach aussen, denn sie befähigt Ihre Mitarbeiter, zu handeln, zu innovieren und Lösungen anzubieten, die für Ihre Kunden relevant sind. Ihre Kunden wiederum erkennen, dass sie Ihre Wunschkunden sind und fühlen sich aufgehoben. Ihre Mitarbeiter erkennen, dass sie etwas beitragen können und ein Teil des Ganzen sind. Selbst potentielle Mitarbeiter finden Ihr Unternehmen attraktiv. Denn je einfacher und klarer Sie artikulieren können, wo Sie hin wollen und was Sie damit erreichen wollen, desto größer ist Ihre Anziehungskraft auf alle Stakeholder.

Ihre Klarheit ist die der anderen

Abschliessend noch ein Gedanke. Als Verantwortliche Person für ein Unternehmen sollten Sie sich über folgendes im Klaren sein:

In der Realität beginnt und endet die Entwicklung von Klarheit in Unternehmen mit Ihnen als Eigentümer oder CEO.

Sie sind also verantwortlich dafür, ob ein Unternehmen klar sieht oder nicht.

Es geht darum, ob sie für sich und andere klar definieren können, wohin die Reise geht. Und mit wem. Das gibt Ihnen und allen anderen Sicherheit und Energie für jeden weiteren Schritt.

Um zu überprüfen, wie es um Ihre Klarheit steht, haben wir hier einige Fragen zusammengestellt:

  • Sehen Sie Ihre Ziele bzw. die Vision für Ihr Unternehmen klar vor sich?

  • Können Sie diese auf 1 Blatt Papier festhalten?

  • Sind Sie in der Lage, diese Ziele und die Vision anderen in Begriffen zu erklären, die alle verstehen und mit denen sie sich identifizieren können?

  • Können Sie erklären, was das Erreichen des Ziels bzw. die Umsetzung dieser Vision den jeweiligen Stakeholdern bringt?

5. Wie erhalten Sie Klarheit?

Damit Sie Ihre Ziele definieren und Ihre Vision skizzieren können, sollten Sie nachstehende Schlüsselfragen für Ihr Unternehmen beantworten. Wir haben die aus unserer Sicht wichtigsten in einer Checkliste zusammengestellt:

  • Wo wollen wir in 3 bis 5 Jahren sein?

  • Was differenziert unser Unternehmen?

  • Wer ist unsere Kernzielgruppe und warum?

  • Worin liegen unsere Stärken?

  • Wie sehen uns Kunden und Geschäftspartner?


Checkliste Klarheit

Nehmen Sie 1 Blatt Papier quer und machen Sie drei Spalten. Die erste Spalte ist für die kommenden 12 Monte, die zweite für die kommenden 3 Jahre und die dritte für das Jahr 5. Schreiben Sie in jede Spalte, was Sie zu diesem Zeitpunkt erreicht haben wollen. Machen Sie es an einer objektiv messbaren Grösse fest.

Nun erklären Sie dieses Papier einer Person Ihres Vertrauens. Das Ziel ist zu überprüfen, ob das andere verstehen.

Im nächsten Schritt geht es darum zu erkennen, wie Sie diese Ziele erreichen. Wir haben hier die wichtigsten Fragen aufgeführt:

  • Wer ist unsere Kernzielgruppe und warum?

  • Was differenziert unser Unternehmen von anderen?

  • Reicht diese Zielgruppe für die Erreichung der Ziele aus?

  • Worin liegen unsere Stärken?

  • Woran sollten wir arbeiten?

  • Wie sehen uns andere?

Die Fragen können Sie alleine oder im Team beantworten.

Nun erklären Sie das Papier erneut der Person Ihres Vertrauens. Das Feedback anderer hilft Ihnen dabei zu erkennen, welchen der Aspekte oben (Zielgruppe, Differenzierung, Stärken etc.) sie nochmals überarbeiten oder vertiefen sollten.
Patrick Utz
Patrick Utz
Veröffentlicht: 08. Juni 2021
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