Markenpräferenz (Brand Preference): Der Moment vor dem Griff ins Regal

Was ist Markenpräferenz?

Die Markenpräferenz (Brand Preference) ist die Neigung, bei vergleichbaren Angeboten eine bestimmte Marke zu bevorzugen. Sie ist die Stufe zwischen Markenbekanntheit und Markenbindung: Man kennt mehrere Optionen – und greift trotzdem immer zur selben.

Warum sie zählt

Bekanntheit macht sichtbar, Präferenz macht Umsatz. Erst wenn eine Marke bei gleichem Preis und gleicher Verfügbarkeit gewählt wird, arbeitet die Markenführung wirklich – alles davor ist Reichweite ohne Richtung.

Freigestelltes Portrait von Sibylle Löwe mit Brille und geblümter Bluse
Sibylle Löwe
Creative Director

Der interessanteste Moment im Marketing dauert eine halbe Sekunde: die Hand vor dem Regal. Drei Produkte, gleicher Preis, gleiche Funktion – und die Hand greift ohne Zögern zu einem. Dieses stille, selbstverständliche Bevorzugen ist die Markenpräferenz. Wie stark der Reflex ist, hat Nielsen beziffert: 59 Prozent der Konsumenten greifen selbst bei Neuprodukten lieber zu einer vertrauten Marke als zu einer unbekannten. Die Entscheidung fällt nicht im Laden – sie ist längst gefallen.

Definition: die Stufe zwischen Kennen und Kaufen

Markenpräferenz beschreibt die relative Bevorzugung einer Marke gegenüber ihren Alternativen. Sie lässt sich als Stufe in einem Trichter denken:

  1. Markenbekanntheit: Man kennt die Marke.
  2. Vertrautheit: Man weiss, wofĂĽr sie steht.
  3. Präferenz: Man würde sie den Alternativen vorziehen.
  4. Kauf: Man wählt sie tatsächlich.
  5. Markenbindung: Man bleibt – auch wenn es günstigere Alternativen gäbe.

Präferenz ist damit weicher als Loyalität, aber härter als Sympathie: Sie zeigt sich erst in der Wahl, nicht im Gefallen.

Was Präferenz entstehen lässt

  • Relevanter Nutzen: Die Marke verspricht etwas, das der Person wichtig ist – der Markennutzen ist der stärkste Präferenztreiber.
  • Vertrauen und Erfahrung: Wiederholt gute Erlebnisse senken das empfundene Risiko. Markenvertrauen macht die Wahl zur AbkĂĽrzung: Im Edelman Trust Barometer nennen 81 Prozent der Befragten das Vertrauen, dass eine Marke das Richtige tut, als kaufentscheidend.
  • Positive Assoziationen: Bilder, Geschichten und Erinnerungen, die eine Marke auflädt – die Markenassoziationen arbeiten im Hintergrund mit.
  • Gewohnheit: Ein grosser Teil der Präferenz ist schlicht kognitive Bequemlichkeit. Vertrautes verarbeitet das Gehirn flĂĽssiger, und diese Leichtigkeit fĂĽhlt sich wie Qualität an – Psychologen nennen das VerarbeitungsflĂĽssigkeit. Wer einmal gewählt wurde, wird leichter wieder gewählt.
  • Soziale Signale: Was das Umfeld nutzt und empfiehlt, färbt die eigene Bevorzugung – vom Familienauto bis zur Software im Team.

Markenpräferenz messen

Präferenz in Zahlen: vertraut schlägt neu

Anteil der Konsumenten, deren Kaufverhalten die vertraute Marke begünstigt – drei internationale Mehrländer-Befragungen mit 5'000 bis über 30'000 Teilnehmenden.

AussageAnteil
Vertrauen in die Marke ist kaufentscheidend (Edelman)81 %
Bevorzugen bei Neuprodukten vertraute Marken (Nielsen)59 %
Zahlen mehr fĂĽr ein vergleichbares Produkt einer vertrauten Marke (Salsify)45 %

Edelman Trust Barometer Special Report «In Brands We Trust?» 2019 (16'000 Befragte, 8 Länder); Nielsen Global New Product Innovation Survey 2015 (30'000+ Befragte, 60 Länder); Salsify Consumer Research 2022 (ca. 5'000 Befragte, USA/UK/DE/FR)

Weil Präferenz eine relative Grösse ist, misst man sie immer im Vergleich:

  • Direkte Befragung: «Welche dieser Marken wĂĽrden Sie wählen, wenn Preis und VerfĂĽgbarkeit gleich wären?» – die klassische Präferenzfrage in Markttests.
  • Conjoint-Analysen: Testpersonen wählen zwischen Angebotskombinationen; daraus lässt sich der Anteil der Entscheidung isolieren, den die Marke selbst beiträgt.
  • Verhaltensdaten: Wiederkaufrate, Marktanteil bei Preisparität, Direktsuchen nach dem Markennamen – Präferenz hinterlässt Spuren, bevor man danach fragt.
  • Preisbereitschaft: Der härteste Beleg. Laut Salsify zahlen 45 Prozent der Konsumenten fĂĽr ein vergleichbares Produkt mehr, wenn es von einer Marke stammt, der sie vertrauen – 2021 waren es erst 30 Prozent. Wer diesen Aufpreis nicht durchsetzen kann, hat Bekanntheit, aber keine Präferenz.
  • First-Choice-Anteil in Tracking-Studien: Wie viele nennen die Marke als erste Wahl, nicht nur als bekannte Option?
Bekanntheit kann man kaufen – Präferenz muss man verdienen. Deshalb misstrauen wir Kampagnenzielen wie ‹mehr Sichtbarkeit›. Die spannendere Frage ist immer: Wählen uns die Leute auch, wenn wir gleich teuer sind wie die anderen?
Sibylle
Autorin

Präferenz aufbauen: Konsistenz schlägt Kampagne

Verbunden schlägt zufrieden: Was Präferenz wert ist

Emotional verbundene Kunden im Vergleich zu lediglich zufriedenen: Weiterempfehlungsrate aus der Motista-Analyse von über 100'000 Kunden bei mehr als 100 Händlern sowie der Mehrwert pro Kunde gemäss Harvard Business Review.

KennzahlWert
Weiterempfehlung: emotional verbundene Kunden (Motista)71 %
Weiterempfehlung: bloss zufriedene Kunden (Motista)45 %
Höherer Kundenwert emotional verbundener Kunden (HBR)+52 %

Motista Retail Study 2018 (100'000+ Kunden, 100+ Retailer); Zorfas/Magids: «An Emotional Connection Matters More than Customer Satisfaction», Harvard Business Review 2016

Präferenz entsteht selten durch einen grossen Auftritt, sondern durch viele widerspruchsfreie Signale über Zeit: ein klares Nutzenversprechen, eingelöst an jedem Kontaktpunkt, wiedererkennbar im Auftritt. Markenkonsistenz ist dabei kein Stilthema, sondern ein Gedächtnisthema – nur was konstant gleich auftritt, kann sich als erste Wahl verankern.

Und weil Präferenz relativ ist, lohnt der Blick auf die Alternativen: Es reicht nicht, gut zu sein. Man muss in einem Kriterium, das der Zielgruppe wichtig ist, spürbar die bessere Wahl sein.

Was das einbringt, hat die Harvard Business Review vorgerechnet: Emotional verbundene Kunden sind 52 Prozent wertvoller als bloss hoch zufriedene. Zufriedenheit verwaltet den Status quo – Verbundenheit erzeugt Präferenz.

Häufige Fragen zur Markenpräferenz

Was ist der Unterschied zwischen Markenpräferenz und Markenloyalität?

Präferenz ist die Bevorzugung im Entscheidungsmoment, Loyalität das wiederholte Bleiben über Zeit – auch gegen Widerstände wie höhere Preise. Präferenz ist die Vorstufe, Loyalität das Ergebnis vieler eingelöster Präferenzen.

Kann eine unbekannte Marke Präferenz aufbauen?

Nicht direkt – Präferenz setzt Bekanntheit voraus. Aber sie kann in einer kleinen, klar definierten Zielgruppe schnell entstehen: lieber bei hundert richtigen Personen die erste Wahl sein als bei zehntausend eine von vielen.

Wie erkenne ich sinkende Markenpräferenz?

Frühindikatoren sind sinkende First-Choice-Werte in Befragungen, wachsende Preissensibilität und rückläufige Direktsuchen nach der Marke. Wer erst am Marktanteil merkt, dass die Präferenz kippt, ist spät dran.

Welche Rolle spielt der Preis?

Der Preis ist der Härtetest der Präferenz: Echte Bevorzugung übersteht einen moderaten Aufpreis. Wer nur bei Aktionen gewählt wird, hat Konditionen-Präferenz – keine Markenpräferenz.