Definition: VerfĂĽgbarkeitsheuristik
Die Verfügbarkeitsheuristik ist die Neigung, die Wahrscheinlichkeit oder Häufigkeit eines Ereignisses danach zu beurteilen, wie leicht uns Beispiele dafür in den Sinn kommen – statt nach den tatsächlichen Zahlen.
Das Buchstaben-Experiment: Abrufbarkeit schlägt Statistik
Urteile von 152 Versuchspersonen im Experiment von Tversky und Kahneman (1973): Gefragt war, ob Konsonanten wie K, L, N, R und V im Englischen häufiger an erster oder an dritter Wortposition stehen. 69 Prozent tippten mehrheitlich auf die erste Position – tatsächlich stehen alle fünf Buchstaben rund doppelt so oft an dritter Stelle. Angaben in Prozent der Versuchspersonen.
| Urteil | Anteil |
|---|---|
| Tippten auf erste Position (falsch) | 69 % |
| Tippten auf dritte Position (richtig) | 31 % |
Tversky & Kahneman (1973): Availability: A heuristic for judging frequency and probability. Cognitive Psychology, 5(2), 207–232.
Gefühlte Gefahr vs. reale Häufigkeit
Ergebnisse der Risikowahrnehmungs-Forschung von Lichtenstein, Slovic et al.: Versuchspersonen hielten jeweils die spektakuläre Todesursache (Botulismus, Tornado, Unfall) für häufiger. Der Balken zeigt den Faktor, um den die unspektakuläre Ursache tatsächlich mehr Todesopfer fordert.
| Vergleichspaar | Faktor |
|---|---|
| Blitzschlag tötet häufiger als Botulismus | 52× |
| Asthma tötet häufiger als Tornados | 20× |
| Krankheiten töten häufiger als Unfälle | 16× |
Lichtenstein, Slovic, Fischhoff, Layman & Combs (1978): Judged Frequency of Lethal Events. Journal of Experimental Psychology: Human Learning and Memory, 4(6), 551–578; zit. n. Kahneman (2011): Thinking, Fast and Slow.
Häufig gestellte Fragen zu Verfügbarkeitsheuristik
Was ist die VerfĂĽgbarkeitsheuristik?
Die Neigung, Wahrscheinlichkeiten danach zu beurteilen, wie leicht Beispiele in den Sinn kommen – nicht nach echten Zahlen.
Was ist ein Beispiel dafĂĽr?
Nach einem Flugzeugunglück in den Nachrichten wirkt Fliegen gefährlicher, obwohl Autofahren statistisch riskanter ist.
Wie wird sie im Marketing genutzt?
Durch dauerhafte Präsenz, Testimonials und konkrete Erfolgsgeschichten, die eine Marke leicht erinnerbar machen.
Wer hat die VerfĂĽgbarkeitsheuristik erforscht?
Amos Tversky und Daniel Kahneman beschrieben sie 1973 im Aufsatz „Availability: A heuristic for judging frequency and probability“. Sarah Lichtenstein und Paul Slovic vertieften die Forschung mit Studien zur Risikowahrnehmung.