Was ist eine Zweitmarke?

Definition

Eine Zweitmarke (Second Brand) ist eine zusätzliche Marke, die ein Anbieter neben seiner Hauptmarke führt, um weitere Marktsegmente, Preislagen oder Zielgruppen zu erschliessen. Beide Marken stammen vom selben Unternehmen, treten am Markt jedoch eigenständig auf.

Nutzen

Zweitmarken erweitern die Marktabdeckung, sichern Regalfläche und Marktanteile in zusätzlichen Preislagen und ermöglichen es, neue Segmente zu bedienen, ohne den Markenwert der Hauptmarke zu verwässern. Richtig positioniert stärken sie das Gesamtportfolio statt es zu schwächen.

Freigestelltes Portrait von Alexander Bürgin im weissen Hemd
Alexander Leu
Tech Director
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    Wozu dient eine Zweitmarke?

    Eine Zweitmarke schliesst Lücken im Portfolio, die die Hauptmarke nicht glaubwürdig besetzen kann. Will ein Anbieter etwa eine günstigere Preislage bedienen, ohne die Wertigkeit seiner etablierten Marke zu beschädigen, eignet sich eine eigenständige Zweitmarke besser als eine Ausweitung der Hauptmarke nach unten.

    Ebenso lassen sich neue Zielgruppen mit abweichenden Erwartungen ansprechen. Die Zweitmarke kann eine andere Tonalität, ein anderes Design und ein anderes Nutzenversprechen tragen. So deckt das Unternehmen mehrere Segmente ab und erhöht insgesamt seine Präsenz im Markt, während jede Marke ihr eigenes Profil behält.

    Wie unterscheidet sich eine Zweitmarke von einer Kampfmarke?

    Die Kampfmarke ist ein Sonderfall der Zweitmarke. Sie wird gezielt eingeführt, um im unteren Preissegment gegen aggressive Preiswettbewerber anzutreten und die höherwertige Hauptmarke aus dem Preiskampf herauszuhalten. Ihr Zweck ist primär defensiv und auf Preisverteidigung ausgerichtet.

    Eine Zweitmarke im weiteren Sinn verfolgt dagegen nicht notwendigerweise eine Kampfabsicht. Sie kann eine dauerhafte, eigenständige Marktrolle einnehmen, ein neues Segment strategisch besetzen oder eine andere Bedürfniswelt ansprechen. Jede Kampfmarke ist eine Zweitmarke, aber nicht jede Zweitmarke ist eine Kampfmarke.

    Kurz gefasst

    Kampfmarke gleich Zweitmarke mit defensivem Preisauftrag. Die allgemeine Zweitmarke kann auch offensiv Segmente erweitern, ohne Preiskampf.

    Ist eine Zweitmarke dasselbe wie eine Einzelmarke?

    Nein, die Begriffe beschreiben unterschiedliche Ebenen. Eine Einzelmarke bezeichnet die Strategie, jedes Produkt oder jede Produktlinie unter einer eigenen, unabhängigen Marke zu führen, ohne einen sichtbaren Absenderbezug zum Unternehmen. Sie ist ein Grundtyp der Markenarchitektur.

    Die Zweitmarke beschreibt hingegen die Rolle einer Marke im Verhältnis zu einer bestehenden Hauptmarke desselben Anbieters. Eine Zweitmarke kann als Einzelmarke geführt werden, muss es aber nicht. Der Begriff Zweitmarke betont die ergänzende Portfoliofunktion, der Begriff Einzelmarke die architektonische Eigenständigkeit.

    Warum ist der Positionierungsabstand entscheidend?

    Ohne ausreichenden Abstand konkurrieren Haupt- und Zweitmarke um dieselben Kunden. Der nötige Abstand entsteht über Preis, Nutzenversprechen, Design, Vertriebskanäle und Zielgruppenansprache. Je klarer die Positionierung beider Marken voneinander getrennt ist, desto geringer das Risiko interner Konkurrenz.

    Ein tragfähiger Abstand sorgt zudem für Klarheit beim Kunden. Jede Marke sendet ein eindeutiges Signal, welche Bedürfnisse sie bedient. Das stärkt die Orientierung, unterstützt die Kundenbindung und verhindert, dass die Marken sich gegenseitig entwerten. Positionierungsabstand ist damit die zentrale Bedingung für ein funktionierendes Zweitmarkenkonzept.

    Welches Risiko birgt die Zweitmarke?

    Das grösste Risiko ist die Kannibalisierung. Sie tritt ein, wenn die Zweitmarke keine neuen Käufer gewinnt, sondern bestehende Kunden der Hauptmarke abzieht. Statt Wachstum entsteht dann eine blosse Umverteilung des eigenen Umsatzes bei zusätzlichen Kosten für Aufbau und Führung der zweiten Marke.

    Weitere Gefahren sind steigende Komplexität, verteilte Marketingbudgets und die Verwässerung der Aufmerksamkeit im Unternehmen. Eine Zweitmarke sollte deshalb nur eingeführt werden, wenn sie ein echtes zusätzliches Segment erschliesst. Ein sorgfältiges Monitoring von Herkunft und Wanderung der Käufer zeigt frühzeitig, ob Kannibalisierung auftritt.

    Wie führt man eine Zweitmarke erfolgreich?

    Erfolgreiche Zweitmarkenführung beginnt mit einer klaren strategischen Begründung. Es muss belegbar sein, dass die neue Marke ein Segment bedient, das die Hauptmarke nicht glaubwürdig erreichen kann. Anschliessend werden eigenständige Positionierung, Nutzenversprechen und Auftritt konsequent voneinander abgegrenzt.

    In der laufenden Markenführung werden beide Marken mit eigenen Zielen, Budgets und Kennzahlen gesteuert. Regelmässige Analysen von Marktanteil, Käuferherkunft und Deckungsbeitrag zeigen, ob die Zweitmarke ihren Beitrag zum Gesamtportfolio leistet oder korrigiert werden muss. So bleibt das Konzept wertsteigernd statt selbstschädigend.

    Häufig gestellte Fragen

    Worin liegt der Unterschied zwischen Zweitmarke und Kampfmarke?

    Die Kampfmarke ist eine Zweitmarke mit defensivem Auftrag: Sie tritt im unteren Preissegment gegen Preiswettbewerber an und schützt die Hauptmarke vor dem Preiskampf. Eine allgemeine Zweitmarke kann darüber hinaus offensiv neue Segmente erschliessen, ohne primär auf Preisverteidigung ausgerichtet zu sein.

    Ist eine Zweitmarke automatisch eine Einzelmarke?

    Nein. Einzelmarke bezeichnet eine architektonische Strategie eigenständiger Marken ohne Unternehmensabsender. Zweitmarke beschreibt die ergänzende Rolle neben einer Hauptmarke. Eine Zweitmarke kann als Einzelmarke geführt werden, muss es aber nicht.

    Was bedeutet Kannibalisierung im Zweitmarkenkontext?

    Kannibalisierung liegt vor, wenn die Zweitmarke keine neuen Kunden gewinnt, sondern Käufer der eigenen Hauptmarke abzieht. Das Ergebnis ist eine Umverteilung des eigenen Umsatzes bei höheren Kosten. Ein Monitoring der Käuferherkunft macht dieses Risiko sichtbar.

    Wie gross muss der Positionierungsabstand sein?

    Der Abstand muss so gross sein, dass beide Marken unterschiedliche Bedürfnisse, Preislagen oder Zielgruppen glaubwürdig bedienen. Er entsteht über Preis, Nutzenversprechen, Design und Vertrieb. Je klarer die Trennung, desto geringer das Risiko interner Konkurrenz und Verwässerung.

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    Quellenangaben

    1. Aaker, D. A. (2004): Brand portfolio strategy. New York: The Free Press.
    2. Esch, F.-R. (2024): Strategie und Technik der Markenführung. München: Vahlen.
    3. Meffert, H./Burmann, C./Kirchgeorg, M. (2019): Marketing. 13. Aufl. Wiesbaden: Springer Gabler.
    4. Keller, K. L. (2013): Strategic brand management. 4. Aufl. Harlow: Pearson.
    5. Bruhn, M. (2019): Marketing. 14. Aufl. Wiesbaden: Springer Gabler.