Definition und Einordnung in die Markenarchitektur
Was die Markenfamilie leistet
Wenige Markenfamilien, fast der ganze Umsatz
Umsatz- bzw. Gewinnanteil, den wenige Kernmarken(-familien) im Konzernportfolio erwirtschaften: P&G nach der Portfolio-Straffung 2014 (65 verbleibende Marken nach Abgabe von rund 100), Unilever im Geschäftsjahr 2024 (30 Power Brands von rund 400 Marken) und Beiersdorf im Geschäftsjahr 2024 (Nivea-Familie: 5,6 von 9,85 Mrd. Euro Konzernumsatz). Angaben in Prozent.
| Konzern | Anteil |
|---|---|
| P&G: 65 Kernmarken am Gewinn | 95 % |
| P&G: 65 Kernmarken am Umsatz | 90 % |
| Unilever: 30 Power Brands am Umsatz | 75 % |
| Beiersdorf: Nivea-Familie am Umsatz | 57 % |
P&G Portfolio-Ankündigung August 2014; Unilever Full-Year Results 2024; Beiersdorf Geschäftsbericht 2024
Die Risiken der Familie
Flop-Raten neuer KonsumgĂĽterprodukte
Anteil neuer Konsumgüterprodukte, die scheitern: Neuheiten, die in Westeuropa unter 10'000 verkauften Einheiten bleiben oder ihre Handelslistung im ersten Jahr verlieren (Nielsen-Auswertung von 12'000 Produkt-Launches), sowie US-Neuheiten, die zwei Jahre nach Lancierung nicht mehr im Handel sind. Angaben in Prozent aller Launches – mit und ohne bekannte Marke.
| Schicksal der Neuheit | Anteil |
|---|---|
| Bleiben unter 10'000 verkauften Einheiten (Westeuropa) | 66 % |
| Verlieren die Handelslistung im 1. Jahr (Westeuropa) | 75 % |
| Sind nach 2 Jahren vom Markt (USA) | 85 % |
Nielsen Breakthrough Innovation Report, European Edition 2014; Nielsen US-Daten 2014
Der Test für jedes neue Familienmitglied ist simpel: Würde die Kundschaft es von dieser Marke erwarten – oder muss man es ihr erklären? Alles, was Erklärung braucht, kostet die Familie mehr, als das Produkt einbringt.SibylleAutorin
Häufige Fragen zur Markenfamilie
Was ist der Unterschied zwischen Markenfamilie und Dachmarke?
Die Markenfamilie umfasst verwandte Produkte in derselben Bedürfniswelt, die Dachmarke spannt sich über alle – auch unverwandte – Bereiche eines Unternehmens. Die Familie ist enger, dafür ist ihr Vertrauenstransfer stärker.
Wann lohnt sich eine Markenfamilie?
Wenn mehrere Produkte dieselbe Zielgruppe mit demselben Grundversprechen bedienen. Dann multipliziert der gemeinsame Name die Wirkung jedes einzelnen Produkts – bei einem Bruchteil der Kosten eigenständiger Marken.
Wie weit darf man eine Markenfamilie dehnen?
So weit, wie die Kundschaft das neue Produkt der Marke noch zutraut. Die klassische Studie von Aaker und Keller (1990) zeigt: Die Stärke der Muttermarke überträgt sich nur, wenn die Erweiterung als passend empfunden wird – Fit schlägt Markenstärke. Faustregel: Bleibt das Bedürfnisfeld gleich, trägt die Familie; wechselt es, braucht es eine neue Marke oder zumindest eine deutliche Sub-Marke.
Was passiert, wenn ein Produkt der Familie floppt?
Der Schaden verteilt sich auf alle Mitglieder – deshalb gehören schwache Produkte konsequent aussortiert. Eine Markenfamilie ist nur so stark wie ihr schwächstes sichtbares Mitglied.


