Was ist eine Markenanalyse und wozu dient Brand Analysis?

Definition

Markenanalyse (engl. Brand Analysis) ist die systematische Untersuchung einer Marke hinsichtlich ihres Images, ihrer Positionierung und ihrer Wahrnehmung im Markt. Sie erhebt Stärken und Schwächen aus interner wie externer Sicht und liefert damit die Faktenbasis, auf der Markenstrategie und Gestaltung aufsetzen.

Nutzen

Wer die eigene Marke kennt, entscheidet auf Basis belastbarer Daten zu Markenwahrnehmung und Markenimage statt aus dem Bauch. Die Markenanalyse schützt so vor teuren Fehlentscheidungen bei Relaunch, Erweiterung oder Neupositionierung und macht sichtbar, wo die reale Wahrnehmung vom gewünschten Selbstbild abweicht.

Freigestelltes Portrait von Alexander Bürgin im weissen Hemd
Alexander Leu
Tech Director
Inhaltsverzeichnis
Inhaltsverzeichnis

    Was ist Brand Analysis?

    Die Markenanalyse (Brand Analysis) macht die Lücke zwischen Selbst- und Fremdbild messbar. Was ein Unternehmen über sich behauptet und was der Markt tatsächlich wahrnimmt, fällt fast immer auseinander. Die Analyse stellt das interne Selbstbild dem externen Fremdbild gegenüber und deckt auf, wo Markenidentität und reale Wahrnehmung auseinanderdriften.

    Ohne diese Faktenbasis bleibt Markenführung Spekulation. Investitionen in Kommunikation und Markendesign laufen dann Gefahr, an den Erwartungen der Zielgruppe vorbeizuzielen. Eine seriöse Brand Analysis liefert die Orientierung, ohne die jede strategische Entscheidung zum Ratespiel wird. Für uns steht am Anfang jedes Mandats deshalb das Zuhören und Messen, nicht das Gestalten: Erst wenn wir wissen, wo eine Marke steht, lässt sich seriös bestimmen, wohin sie sich entwickeln soll.

    Der Nutzen der Markenanalyse

    Der praktische Nutzen der Markenanalyse liegt in der Risikoreduktion. Vor einem Markenrelaunch oder einer Markenerweiterung zeigt sie, welche Substanz vorhanden ist und was auf dem Spiel steht. Sie schafft eine gemeinsame Grundlage, auf die sich Geschäftsleitung, Marketing und externe Partner gleichermassen berufen können, und beendet damit endlose Debatten über Geschmack und Bauchgefühl.

    Zugleich macht die Brand Analysis den Markenwert greifbar. Sie benennt, welche Markenwerte tatsächlich tragen und wo das Markenimage vom Wunschbild abweicht. So wird aus diffusem Bauchgefühl eine belastbare Grundlage für Priorisierung und Investition, die auch gegenüber der Geschäftsleitung Bestand hat.

    Methoden der Brand Analysis

    Die Markenanalyse ist kein einzelnes Instrument, sondern ein Bündel abgestimmter Methoden. Der Markenaudit liefert eine strukturierte Bestandsaufnahme aller Markenelemente und Kontaktpunkte. Ergänzt wird er durch das Markentracking, das Kennzahlen wie Markenbekanntheit und Präferenz über die Zeit beobachtet.

    Nach aussen richten sich die Wettbewerbsanalyse und die Zielgruppenanalyse: Erstere ordnet die Marke im Umfeld ein und legt den Wettbewerbsvorteil frei, Letztere klärt Bedürfnisse und Motive der relevanten Menschen. Qualitative Verfahren wie die Imageanalyse und die Markenimage-Recherche ergänzen die Zahlen um Assoziationen.

    Brand Sentiment

    Zunehmend fliessen digitale Signale ein. Das Brand Sentiment aus sozialen Medien und Bewertungen zeigt in Echtzeit, welche Stimmung eine Marke auslöst, und ergänzt die klassische Befragung um ungefilterte Stimmen aus dem Markt.

    Markenanalyse und verwandte Begriffe

    Der Begriff wird oft mit dem Marken-Audit gleichgesetzt, doch beide meinen Unterschiedliches. Das Audit ist eine Momentaufnahme zu einem Stichtag. Die Markenanalyse ist der übergeordnete, methodisch breitere Prozess, der ein Audit als einen Baustein unter mehreren einsetzt.

    Klar zu trennen ist die Brand Analysis auch vom Markencontrolling, einem laufenden, kennzahlengetriebenen Prozess der Steuerung. Die Analyse geht punktuell tief in die Substanz, das Controlling überwacht dauerhaft. Beide greifen ineinander, ebenso wie die anschliessende Positionierung die Richtung vorgibt.

    Selbstbild und Fremdbild

    Der wertvollste Erkenntnisgewinn liegt oft in der Differenz: Marken halten sich für innovativ, während der Markt sie als solide, aber bieder erlebt. Diese Diskrepanz zwischen Markenstärke und Markenschwäche sichtbar zu machen, ist ein Kernzweck jeder Markenanalyse.

    Brand Analysis: Beispiele

    Als standardisierte Instrumente der Brand Analysis gelten die jährlichen Markenwert-Rankings. Interbrand veröffentlicht seit dem Jahr 2000 die Studie Best Global Brands, die den finanziellen Markenwert führender Marken wie Apple, Amazon oder Microsoft berechnet. Das Kantar-BrandZ-Ranking verfolgt einen ähnlichen Ansatz, gewichtet aber stärker die Wahrnehmung aus Konsumentenbefragungen. Beide dienen Unternehmen als Benchmark und Frühwarnsystem für die eigene Markenanalyse.

    Ein Beispiel für Analyse im Vorfeld eines Rebrandings ist Airbnb: Vor dem Relaunch 2014 mit dem Bélo-Symbol standen umfangreiche Untersuchungen zur Markenwahrnehmung und zu den Werten der Gastgeber- und Gäste-Community. Die Erkenntnis, dass Zugehörigkeit (belonging) der emotionale Kern der Marke war, prägte die gesamte neue Markenidentität.

    Coca-Cola betreibt seit Jahrzehnten kontinuierliches Markentracking und misst Markenbekanntheit, Sympathie und Präferenz in Dutzenden Märkten. Das prominenteste Gegenbeispiel, die Einführung von New Coke 1985, zeigt zugleich die Grenzen: Reine Geschmackstests erfassten die emotionale Markenbindung nicht, was zu einem der bekanntesten Rückzieher der Marketing-Geschichte führte.

    Fazit zur Markenanalyse

    Die Markenanalyse (Brand Analysis) ist der nüchterne erste Schritt jeder seriösen Markenführung. Sie ersetzt Vermutungen durch Befunde und übersetzt diese in konkrete Handlungsfelder. Genau an dieser Schnittstelle setzen unsere Markenstrategie-Beratung und die Positionierungs-Beratung an, damit aus der Analyse belastbare Entscheidungen werden.

    Häufig gestellte Fragen

    Wann lohnt sich eine Markenanalyse?

    Immer dann, wenn eine grössere Entscheidung ansteht: vor einem Relaunch, einer Markenerweiterung oder Neupositionierung, oder wenn die Markenentwicklung ins Stocken gerät. Auch als regelmässige Standortbestimmung alle paar Jahre ist die Brand Analysis sinnvoll.

    Was ist der Unterschied zwischen Markenanalyse und Markenaudit?

    Der Markenaudit ist eine Momentaufnahme des Ist-Zustands zu einem Stichtag. Die Markenanalyse (Brand Analysis) ist der breitere Prozess, der ein solches Audit mit Marktforschung, Wettbewerbsanalyse und weiteren Methoden zu Bewertung und Empfehlung verbindet.

    Wer wird in einer Markenanalyse befragt?

    Idealerweise beide Seiten: intern Führung und Mitarbeitende, die den Markenkern und das Selbstbild tragen, extern Kundschaft, Interessenten und teils Nichtkunden, die das Fremdbild prägen. Der Abgleich beider Perspektiven macht den eigentlichen Wert der Analyse aus.

    Wie wird das Ergebnis einer Markenanalyse messbar?

    Über qualitative und quantitative Grössen zugleich. Kennzahlen wie Markenbekanntheit, Präferenz und Markenreputation liefern harte Werte, während Assoziationen und das Brand Sentiment die deutenden Ebenen erfassen. Erst die Kombination ergibt ein tragfähiges Bild.

    Was passiert nach der Brand Analysis?

    Die Befunde fliessen in die Markenstrategie ein und werden in Handlungsfelder übersetzt. Anschliessend überwacht ein laufendes Controlling, ob die abgeleiteten Massnahmen wirken.

    Artikel teilen

    Quellenangaben

    1. Franz-Rudolf Esch: Strategie und Technik der Markenführung
    2. Heribert Meffert, Christoph Burmann, Manfred Kirchgeorg: Marketing – Grundlagen marktorientierter Unternehmensführung
    3. David A. Aaker: Managing Brand Equity
    4. Kevin Lane Keller: Strategic Brand Management
    5. Interbrand: Best Global Brands (Methodology)